5. Die schwierigen Achtziger (von Norbert Lukas)

Buers Gastspiel in der 2. Bundesliga 1982/83

Brett 1: Udo Hobuß 1,5:4,5
Brett 2: Heinz van der Veen 1,0:6,0
Brett 3: Hartmut Niedner 4,0:3,0
Brett 4: Helmut Schorra 1,5:3,5
Brett 5: Wenzel Hamouz (Foto) 4,0:2,0
Brett 6: Peter Trzaska 3,5:3,5
Brett 7: Siegfried Wilbert 2,0:5,0
Brett 8: Rüdiger Steinke 1,5:5,5
Ersatz: Frank Waldow 2,0:2,0

Abschlußtabelle

1. SK Münster 32 11: 3 32,5 3,0:5,0 (7. Runde)
2. SK Nordwalde 9: 5 33,0 1,5:6,5 (3. Runde)
3. SG Düsseldorf 9: 5 30,5 2,5:5,5 (5. Runde)
4. PSV Wuppertal 7: 7 27,5 2,0:6,0 (6. Runde)
5. SF Monheim 6: 8 28,5 4,0:4,0 (1. Runde)
6. SV Wattenscheid 30 6: 8 25,5 3,5:4,5 (4. Runde)
7. Rochade Bielefeld 5: 9 25,5 4,5:3,5 (2. Runde)
8. SV Buer 21 3:11 21,0 Absteiger

SV Buer 21 nicht mehr in der 2. Bundesliga

Das Hauptinteresse der Gelsenkirchener Schachöffentlichkeit galt in dieser Saison sicherlich dem Abschneiden der ersten Mannschaft des SV Buer 21, die als erste Gelsenkirchener Mannschaft die Qualifikation zur zweithöchsten Spielklasse des Deutschen Schachbundes erreicht hatte.
Nach hervorragendem Start in der zweiten Bundesliga gegen Monheim und Bielefeld folgte dann aber der Einbruch, der wohl weniger auf mangelnde Spielstärke als vielmehr auf Schwächen im Nervenkostüm zurückzuführen ist. Aus den letzten fünf Kämpfen konnten die Bueraner keinen Mannschaftspunkt mehr gewinnen, so daß der letzte Rang schließlich den Abstieg besiegelte. Pech für die Bueraner, daß die zweite Bundesliga erst nach Ablauf der nächsten Saison auf zehn Mannschaften aufgestockt wird. Die besten Resultate brachten die Spieler an Brett 3 bis 5: Hartmut Niedner erzielte 4:3, Wenzel Hamouz 4:2 und Peter Trzaska (Foto) 3,5:3,5.

(Zeitungsartikel, 08.08.1983)

 

„Buer 21 I in die Regionalliga abgestiegen. Frühere Leistungsträger nicht in Form.“ So lautete im Mai 1986 der Leitartikel von Karl Sowa in der damaligen Vereinszeitung Rösselsprung. Selbstkritisch hieß es bereits damals:
„Die spielerische Abwärtsentwicklung begann eigentlich im Jahre des Aufstiegs in die 2. Bundesliga (1982). Nach gutem Start mit drei Punkten aus zwei Spielen hagelte es 1982/83 nur noch Niederlagen. Obwohl nur eine Mannschaft die zweite Bundesliga verlassen mußte, konnten wir uns nicht retten. In der Spielzeit 1984/85 sicherte sich Buer 21 den Klassenverbleib in der NRW-Liga erst nach Stichkämpfen gegen Herford, Springer Bochum und Bonn.

Wir gingen eigentlich guten Mutes in die Saison 1985/86. Zwar mußten wir auf Udo Hobuß verzichten, der wegen seiner Diplomarbeit eine einjährige Spielpause einlegen wollte. Es war weiterhin auch klar, daß Wenzel Hamouz einige Male fehlen würde; wir hofften trotzdem, daß alles gut gehen würde. Nun ist es aber soweit. Der SV Buer 21 spielt in der kommenden Saison in der Regionalliga. Eines ist sicher: Udo Hobuß hat uns sehr gefehlt. Es ist nicht notwendig, die einzelnen Spiele zu analysieren. Der Abstieg war aus meiner Sicht nicht nötig. Wo ist das frühere Selbstvertrauen geblieben? Die „Asse“ haben diesmal nicht gestochen. Natürlich war die NRW-Gruppe 1 sehr stark. Es ist aber bekanntlich schwerer, den Aufstieg zu schaffen als in der höheren Klasse zu verbleiben.“

In der folgenden Saison wurde den Spielleitern in fast allen Mannschaften Abgänge gemeldet, so daß es in erster Linie galt, diese Lücken zu schließen. Vier starke Neuzugänge ließen hoffen, daß dies gelungen war.
1986/87 verpasste man dann auch den direkten Wiederaufstieg auch nur um einen Punkt, unglückliche 2:4 Punkte zum Start waren ausschlaggebend. Am 10. Juni 1988 hieß es dann leider in der Buerschen Zeitung: „Negativtrend beim SV Buer hält an: Erneuter Abstieg. Wegen personeller Probleme spielt der frühere Bundesligist in der Verbandsliga.

Tragisch die Entwicklung danach: Frank Waldow kehrte nach zweijährigem Gastspiel bei Wattenscheid wieder als aktiver Spieler zu Buer zurück. Doch ein Spiel für Buer war ihm nicht mehr vergönnt; im Juli 1988 verstarb er bei einem Autounfall. Die euphorische Stimmung, die seine Rückkehr beim SV Buer 21 auslöste, war einer tiefen Betroffenheit gewichen. Die erste Mannschaft mußte dann auch lange zittern, der Abstieg konnte erst durch einen Sieg im letzten Spiel verhindert werden.

Der Tiefpunkt wurde dann 1989/90 erreicht: Aufgrund des nach Berliner Wertung verlorenen direkten Duells gegen Recklinghausen-Altstadt II mußte man in die Verbandsklasse absteigen, welches den vierten Abstieg innerhalb von sieben Jahren bedeutete! Nicht vergessen darf man dabei, daß Erfolge in anderen Bereichen in der gesamten Zeit nicht ausblieben. Neben der Ansammlung von zahlreichen Stadt-Mannschaftsmeisterschaften gelangen folgende herausragende Ergebnisse:
1983 wurde Helmut Schorra Bezirksmeister vor Frank Waldow, 1984 wurde Frank Waldow Vize-Verbandsmeister u20, 1985 wurde man Bezirksmannschaftsblitzmeister, 1986 wurde Udo Hobuß 21. von 30 bei der Deutschen Blitzeinzelmeisterschaft, Frank Waldow Bezirksblitzeinzelmeister vor Heinz van der Veen und Markus Rohel Dritter bei der Deutschen Einzelmeisterschaft u15, 1988 wurde man Bezirksblitzmannschaftsmeister und 1989 wurde man Viererpokalsieger.

Die Auflistung zeigt zwar nur einige exemplarische Erfolge dieser Zeit, doch die große Dominanz des SV Buer 21 war dahin. Außerdem ist nun einmal die erste Mannschaft das Aushängeschild eines jeden Vereins!
In der Verbandsklasse konsolidierte sich die Erste endlich und scheiterte häufig nur knapp am Wiederaufstieg in die Verbandsliga. Doch was waren nun die Ursachen für den Untergang der Ersten?
Der SV Buer 21 hatte gute Spieler zu Tage gebracht, doch von der Zweitliga-Mannschaft war nur noch Siegfried Wilbert (zugleich von 1973 bis 1983 erster Vorsitzender) richtig aktiv. Andere Leistungsträger zogen sich nach und nach zurück oder verließen den Verein, um bei anderen Teams höher spielen zu können. Tragische Verluste von Frank Waldow und Manfred Lipteinik waren so nicht zu kompensieren.

Starke Nachwuchsspieler waren nicht mehr als Erstmitglied für den Verein zu halten. So wechselte Markus Rohel an das Schachgymnasium in Altensteig und auch Vereinsjugendwart Norbert Lukas vertrat lieber, die im NRW-Jugendbereich führende SG Bochum 31.

Doch was tat sich sonst so im Verein? Nachdem 1987 Karl Sowa nach 25jähriger leitender Vereinsarbeit zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, begann eine neue Ära unter der Leitung von Wolfgang Labatzki. Zunächst wurde er zweiter Vorsitzender hinter Heinz Hares, doch 1989 übernahm er auch offiziell das Ruder des Vereins. Wohlwissend, daß er ein schweres Erbe anzutreten hatte, ging er sehr engagiert zu Werke.
Nach der letzten Durchführung des Lebenden Schachs im Jahre 1984 suchte der Verein neue Möglichkeiten, um der Öffentlichkeit bekannt zu bleiben. Die Pressearbeit blühte wieder auf und auch an Ideen mangelte es nicht. So wurden Fußballturniere für Schachvereine und auch wieder größere Weihnachtsfeiern organisiert. Selbst eine monatliche erscheinende Vereinszeitung gab es. In Anlehnung an die Einladungsturniere früherer Zeiten, darf man jedoch die Organisation der Bueraner Open mit Beteiligung Internationaler Meister als größten Verdienst Wolfgang Labatzkis werten.

Nach einer Kontroverse mit der Jugendabteilung ließen die Türmler, die sich nach ihrer Abmeldung vom Spielbetrieb 1989 dem SV Buer 21 anschlossen, 1991 wieder den SF Turm 74 Buer aufleben und einige weitere Mitglieder folgten ihnen. Enttäuscht von dem Ausbleiben nötiger Helfer, legte Wolfgang Labatzki schließlich 1991 sein Amt nieder.
Seitdem ist Siegfried Wilbert wieder erster Vorsitzender (zuvor 1975-83), der 1991/92 erneut den Dähnepokal auf Bezirksebene gewinnen konnte. Vielleicht hat ihn auch die neue, alte Konkurrenz im Verein, Rückkehrer Helmut Schorra, zu weiteren Erfolgen motiviert.
In dieser kritischen Zeit verlor man leider auch noch das zentral gelegene Vereinslokal Haus Seifen an der Cranger Straße. Ein neues Vereinslokal gab es nicht so einfach und so wechselte man zwischen den Kleingartenanlagen „Zur Erholung“ an der Hülser Straße und der „Hülser Heide“ am Bärenkamp. Das Vereinsleben litt hierunter erheblich; ein geregelter Ablauf der Vereinsturniere war kaum möglich. In der Folgezeit ist die Jugendarbeit des Vereins geradezu zusammengebrochen.

(in Festzeitschrift "80 Jahre Schach in Buer")