7. Die Fusion (von Norbert Lukas)

Nachdem auch die Schachfreunde Turm 74 Buer Probleme mit ihrem Vereinslokal „Zur Freiheit“, Brinkgartenstraße bekamen, suchte man in Buer erstmals wieder gemeinsam nach einer Lösung. Auf Initiative von Christoph Renk (Vorsitzender SF Turm 74) und Karl Sowa (Ehrenvorsitzender SV Buer 21) kam es 1993 zu einer gemeinsamen Austragung der beiden Vereinsmeisterschaften. Am Ende lagen gleich vier Spieler punktgleich vorne, so daß ein Stechen das Turnier noch einmal verlängerte:
Helmut Schorra errang hierbei den Meistertitel von SV Buer 21 vor Michael Baar und Dieter Wrobel, während sich Norbert Lukas zum wiederholten Male den Titel von SF Turm 74 Buer erkämpfte.

Die Fusion der beiden buerschen Vereine kam anschließend fast zwangsläufig. Eine Basis für zwei buersche Vereine konnte es scheinbar nicht geben; z.B mußten beide Vereine in derselben Schule ihre Mannschaftskämpfe austragen. Auch wenn die Fusionspartner recht unterschiedlich waren, so paßten sie erwartungsgemäß gut zusammen. Dem großen SV Buer 21 fehlten engagierte Mitglieder, die ein Ende der Krise hätten erwarten lassen können. Den jungen Mitgliedern des kleinen SF Turm 74 Buer hingegen mangelte es an den Möglichkeiten, etwas größeres auf die Beine zu stellen.
Im Juni 1993 war es dann soweit. Nachdem sich zuerst die Mitglieder des SF Turm 74 Buer für eine Fusion aussprachen, folgten am 11. Juni 1993 die Mitglieder des SV Buer 21. Die von beiden Vorständen gut vorbereitete Fusion war unter Dach und Fach. Lediglich um die Namensgebung entfachten lebhafte Diskussionen. Letztlich einigte man sich auf „Schachfreunde Buer 21/74“, womit man den Ursprung beider Vereine weiterhin dokumentiert. Keine Frage war, daß man sich als Fortsetzung des älteren SV Buer 21 versteht und dessen Rolle bei allen Mannschaftsmeisterschaften einnimmt. Die Neuwahlen brachten dann auch einen gemischten Vorstand.

Durch den Zusammenschluß beider Vereine ist primär eine wesentlich effektivere Vorstandsarbeit gewährleistet worden, aber ab der Saison 1993/94 mußte auch mit verstärkten Bueraner Teams gerechnet werden.
Nachdem die Anfangsschwierigkeiten der Fusion überwunden wurden und man sich endlich wieder als ein Verein fühlte, konnte die Sacharbeit in Angriff genommen werden.
So konnte Jürgen Göldenboog dank einer Schulschach-AG mit viel Zeitaufwand wieder eine Jugendabteilung aufbauen. Unterstützt wurde er in der Phase des Aufbaus hauptsächlich von Cornelia Klein und Marcus Frank, die ein Jahr später aber in andere Städte umzogen.

Einen größeren Umbruch gab es noch einmal im Jahre 1995, als sich Norbert Lukas trotz zahlreicher Ehrenämter im übergeordneten Jugendbereich bereit erklärte, daß Amt des Geschäftführers auszuüben. Bereitwillig fanden sich nun auch wieder Helfer, so daß die Bueraner Einladungsturniere wieder aufleben konnten.
Nicht zu vergessen ist auch der unermüdliche Einsatz von Martin Lukas, der die Spielleitung und die Pressearbeit stets fest im Griff hat, und das, obwohl er beruflich bedingt nach Rheinland-Pfalz umzog!

Auch wenn der große Durchbruch noch nicht gelungen ist, so sind die Schachfreunde Buer 21/74 wieder auf dem Wege nach oben. Das Bestehen auf Verbandsebene wird jedoch laufend schwerer, da immer mehr Vereine mit bezahlten Spieler aufrüsten!
Ein Aufstieg in die Verbandsliga war 1993/94 greifbar nahe, doch reichten im Abschlußspiel der Saison leider nicht die Nerven. Im „Endspiel“ gegen Recklinghausen-Ost ging ein sicher geglaubter Sieg zum 4:4 dahin; die Vize-Meisterschaft mit 16:2 Punkten war die Folge. Mehr Glück hatte man im Jubiläumsjahr 2001, als nach 19 Jahren die Erste endlich wieder einmal aufstieg! Die meisten Erfolge seit der Fusion gab es 1995: Norbert Lukas konnte die Bezirkseinzelmeisterschaft für sich entscheiden und Helmut Schorra konnte den Dähnepokal auf Bezirksebene gewinnen. Danach wußte Thomas Kaiser beim traditionellen Nachwuchsturnier des SV Horst 31 „Silberne Schachbrett“ mit dem ersten Platz zu überzeugen. Desweiteren konnte man endlich wieder Hassel Königsspringer und Horst 31 bei der Stadtmannschaftsmeisterschaft als Gewinner ablösen. 1997 konnte Gerd Große-Frintrop erneut den Bezirks-Dähnepokal für Buer gewinnen.
Doch auch die Jugendabteilung kann wieder Erfolge aufweisen. Im Schulschach konnten 1995 die Schüler um Jens Hänisch und Jürgen Göldenboog die Stadtmeisterschaft der Altersklasse WK II für sich entscheiden. Selbiges gelang 1999 noch einmal.

Das herausragendste Ergebnis gelang Viktoria Lazareva, als sie 1998 bestes Mädchen bei der offenenen Deutschen Meisterschaft u9 wurde! Mit ihrem Zwillingsbruder Stanislaw Lazarev nahm sie dann auch zwei Mal an den offiziellen Deutschen Einzelmeisterschaften der Jugend teil.
Tanja Butschek konnte 2001 die NRW-u14w-Meisterschaft für sich entscheiden und wurde bei der Deutschen Zwölfte. Christian Blenkers wiederum konnte sich bereits im Jugendalter eine internationale ELO-Zahl erspielen.

Mit der Ausrichtung zahlreicher Turniere macht sich der Verein wie früher einen großen Namen. Der Tradition entsprechend beschränkt man sich aber nicht nur auf die Ausrichtung offizieller Meisterschaften. Vielmehr werden außerdem Einladungsturniere für Schüler und Jugendliche mit großem Erfolg durchgeführt. Hier ragen die Bueraner Jugendturniere besonders hervor. Mit durchschnittlich 300 (!) Teilnehmern ist es auch zugleich das größte Turnier seiner Art in Deutschland! Mit dem „Alten Gasthaus“, Drechslerstraße hatte man zunächst ein neues Spiellokal für die Senioren gefunden. Nach einem Pächterwechsel spielte man aber sogar ein Jahr bei Haus Nolte, Turfstr. 20 in Horst. Eine neue Heimat hat man seit Oktober 1999 als man in das Gemeindezentrum der Apostelkirche, Horster Straße 35 umzog.

Wenn nun der Vereinsabend wieder den Stellenwert von früher erreicht, so muß jeder wieder mit Buer rechnen. Die Chance zum Aufschwung ist gegeben! Die Aussichten für die nächsten Jahre sind also rosiger als die nahe Vergangenheit. Jedenfalls wurden die Weichen für die Zukunft entsprechend gestellt. Wenn sich unser Verein so weiterentwickelt wie in den ersten achtzig Jahren seines Bestehens, können wir sehr zufrieden sein.
Es sei noch einmal allen Mitgliedern gedankt, die das im Jahre 1921 Begonnene beharrlich unter großen persönlichen Opfern im Interesse unseres geliebten Spieles fortführten.

Man möge uns verzeihen, daß wir nicht alle verantwortlichen Organisatoren und alle herausragenden Spieler besonders erwähnen konnten. Immer gibt es Idealisten, die still ihre Arbeit leisten. Sie treten nicht in den Vordergrund und haben allein das Wohl ihres Vereins im Auge. Wir hoffen, daß dieser Menschenschlag in unserer hektischen Zeit nicht ausstirbt!

Karl Sowa Martin Lukas Norbert Lukas
(Ehrenvorsitzender) (Spielleiter) (Turnierleiter)

(in Festzeitschrift "80 Jahre Schach in Buer")