2. Die Nachkriegszeit (von Dr. Burkhart Uebing und Karl Sowa)

Die Unterlagen aus den Jahren bis nach dem zweiten Weltkrieg sind leider nicht mehr chronologisch vorhanden. Nach dem Kriege begannen mit der Saison 1949/50 erneut Mannschaftskämpfe. Der SV Buer 21 spielte zunächst in der höchsten örtlichen Klasse, der Bezirksklasse.
In diesen ersten Spieljahren zeichnete sich der alte „Kämpe“ Bernhard Stoffers besonders aus. Er wurde zweimal Vereinsmeister. Obwohl das Alter langsam seinen Tribut forderte, blieb sein Kampfgeist ungebrochen. Ein Schachabend ohne Bernhard Stoffers war in den fünfziger Jahren und Anfang der sechziger Jahre undenkbar.
Viele junge Schachfreunde trafen sich außerdem mit ihm in den buerschen Cafés Reuber und Halbeisen zu einem Spielchen. So temperamentvoll er spielte, war er auch in der Analyse. Er war jahrelang nicht nur eine Stütze der ersten Mannschaft, sondern trug auch wesentlich zur Förderung der Spielstärke unseres Nachwuchses bei. Sein Tod im September 1963 hinterließ eine spürbare Lücke.

Von 1954 bis 1956 stieg die erste Mannschaft zweimal hintereinander in die Verbandsliga auf, in der sie sich dann mühevoll vier Jahre halten konnte. Es waren Eberhard Koch und danach Kurt Habeck, die die Führungskrise nach dem Tode des verdienstvollen Vorsitzenden Wilhelm Kober beendeten.
In die gleichen Jahre fielen die ersten großen Erfolge einer Jugendmannschaft des Vereins. Die Jugendarbeit setzte 1953 ein, als Hellmut Marquardt, Vereinsmeister des Vorjahres und elffacher Sieger der Stadt- und Bezirksmeisterschaften, beim damaligen Volksbildungswerk mit Schachlehrgängen begann. Die Schachjünger wurden vom sportbegeisterten Mitglied Fritz Hatschek betreut. Sie kamen damals ganz groß ins Gespräch. Zeitweise hatte die Jugendabteilung über sechzig Mitglieder, die aber nicht nur Schach spielten.

Es war sicherlich eine Ausnahme in Deutschland, daß ein Schachverein als Unterabteilung eine Leichtathletikgruppe unterhielt.
„Schachverein Buer 21 gewann die Kreismeisterschaft der Jugend“, „Eisermann siegte im 400 m-Endlauf“.
So oder so ähnlich lauteten die Zeitungstitel. Mit Erstaunen registrierte die Öffentlichkeit die Erfolge unseres Schachvereins in der Leichtathletik.
Die Leichtathletikjugend galt im Kreis als beste Vereinsmannschaft. Sie gewann unter anderem 1955 die westfälischen Meisterschaft im Mehrkampf. Auch bei der DJMM erzielte sie gute Ergebnisse. Der Hamburger SV und Preußen Krefeld unterlagen dem SV Buer, der HSV mit 1.000 Punkten. Selbst die damalige deutsche 4x 100 Meter-Junioren-Rekordstaffel von Preußen Krefeld wurde besiegt.
Auf einer Skandinavienreise blieb die Mannschaft an den Schachbrettern und auf dem Ascheplatz ungeschlagen. Aus dieser Zeit resultiert auch ein beachtliches 2:2 im Fußball gegen den damaligen Jugendmeister Kärntens. Auch Rainer Schönwälder, der später Bundesligafußballspieler wurde, gehörte zur buerschen Jugendabteilung.

In der Leichtathletik hatte die Jugend des SV Buer 21 also größere Erfolge als im Schach. Doch das „Königliche Spiel“ kam nicht zu kurz.
1955 wurde Buer 21 Vize-Jugendmeister im Industrieverband und erreichte die Runde der letzten vier Mannschaften bei der NRW-Jugendmannschaftsmeisterschaft. Durch ein 3:3 gegen Düsseldorf-Holthausen wurden die Jungen daran gehindert, bis in das Finale vorzustoßen.
Die Namen Herbert Kabus, Eisermann, G. Steinchen, Burkhart Uebing, Färber, H. Steinchen aus der damaligen Zeit sind nicht nur Fritz Hatschek in guter Erinnerung. Leider spielt aus jener Jugendmannschaft, die in der Heimat und auf mehreren Auslandsreisen durch Erfolge im Schach und in der Leichtathletik Aufsehen erregte, nur Dr. Uebing in Gelsenkirchen Schach. Die Leichtathletikabteilung wurde 1957 mit einer Feierstunde verbunden dem AC Buer übergeben.

Nach dem Tode des verdienstvollen Vorsitzenden Wilhelm Kober am 13. Mai 1956 stagnierte zunächst das Vereinsleben. Paul Kraft war damals mit viel Idealismus tätig und leitete bis 1957 kommissarisch den Verein. Aber auch Heinz Dieckmann blieb bis zu seinem Tode eng mit dem Verein verbunden. Mit 75 Jahren spielte der pensionierte Volksschullehrer noch ausgezeichnet. Das Schachspiel blieb für ihn sein liebster Zeitvertreib. Nach vorübergehender Führung des Vereins durch Eberhard Koch übernahm 1959 Kurt Habeck die Leitung bis zum Jahre 1962. Kurt Habeck und Karl Sowa wurden gute Freunde. Nach den Vereinsabenden fachsimpelten beide oft auf dem Heimweg.

Unter Leitung von Kurt Habeck wurde anläßlich des 40jährigen Bestehens unseres Vereins im Jahre 1961 zum erstenmal ein „Schachspiel mit lebenden Figuren“ in das Sommerfestprogramm der Stadt aufgenommen.
1962 wurde Karl Sowa zum ersten Vorsitzenden gewählt und in der Folge verantwortlich für die Durchführung der Veranstaltung, die als einer der Höhepunkte des Sommerfestes galt und bis 1984 alljährlich - mit zwei Ausnahmen - stattgefunden hat. Dr. Paul Tröger war 1964 als Gastspieler so begeistert, daß er in „Deutsche Schachblätter“ unter dem Titel „Bei Durchsicht meiner Bücher“ unter anderem folgendes schrieb:

„Immer wieder erhalte ich Briefe, in denen nach Werbeideen für das Schach gefragt wird. Es fehlt den Vereinen aber an Zeit, an Geld - und wie die Gründe sonst immer heißen mögen. Dabei wird soviel getan, nur erfahren wir es nicht. Lassen sie mich deshalb heute über ein Erlebnis berichten, das mir durch die Liebenswürdigkeit des Schachvereins Buer 21 zugänglich gemacht wurde.
Der Verein begann vor vier Jahren ein „Lebendes Schach“ in die Festwoche der Stadt Gelsenkirchen einzubauen, die am alten Schloß Berge einen herrlichen Park hat, um ein richtiges Sommerfest zu feiern. Die Idee hatte also der Schachverein, die Organisation übernahm der Schachverein und die Finanzen ordnete die Stadt, die sich dem Schach gegenüber gar nicht abweisend zeigte. Als ich an einem Sommerabend gegen den bekannten Problemkomponisten Oskar Wielgos spielte, säumten etwa 3.000 Zuschauer das auf einem Tennisplatz ausgelegte Schachfeld. Die ganze Sache hatte Schwung, Farbe und Anziehungskraft. Ich hätte nie gedacht, daß 3.000 Zuschauer zu einer solchen Veranstaltung kommen würden. Der Schachverein Buer 21 hatte eine gute Idee und die Energie, sie in die Tat umzusetzen.“

(in Festzeitschrift "80 Jahre Schach in Buer")